Vier Schichten, ein Fundament: Wie ACP, UCP, AP2 und Stripe den Agentic Commerce heute ordnen

Veröffentlicht am 2. November 2026

ACP, UCP, AP2 und Stripe bilden zusammen einen Stack aus vier Schichten. Seit einem Jahr wachsen alle Protokolle in Richtung Katalog, und genau diese Schicht nimmt Händlern keines ab.

Der Protokoll-Stack des Agentic Commerce: Zahlung, Identität, Checkout und Katalog, mit ACP, UCP, AP2 und Stripe je Schicht

Vor einer Woche haben wir an dieser Stelle beschrieben, was KI-Agenten an Produktdaten prüfen, bevor sie etwas empfehlen. Heute gehen wir eine Ebene tiefer: in die Technik darunter. Denn wer im Herbst 2026 über Agentic Commerce spricht, hört vor allem Abkürzungen. ACP, UCP, AP2, MCP, SPT, TAP, x402. Und meist die Frage, auf welches Protokoll man setzen soll.

Das ist die falsche Frage. Die Protokolle konkurrieren weniger, als es aussieht. Sie bilden einen Stapel aus vier Schichten, die ineinandergreifen, und sie wachsen seit einem Jahr alle in dieselbe Richtung: nach unten, zum Katalog.

Wer verstehen will, wohin sich Agentic Commerce entwickelt, sollte nicht fragen, welches Protokoll gewinnt, sondern welche Schicht keines der Protokolle für Sie erledigt.

Kein Protokoll, sondern ein Stack

Ein Einkauf durch einen KI-Agenten besteht aus vier Aufgaben. Jede hat inzwischen eigene Standards:

  1. Katalog und Discovery: Welche Produkte gibt es, in welchen Varianten, zu welchem Preis, mit welchem Bestand? Hier sitzen Produkt-Feeds, die Feed-API von ACP, die Catalog-Capability von UCP und der Katalog-Feed von Stripe.
  2. Checkout und Session: Warenkorb anlegen, Versandart wählen, Steuern berechnen, Bestellung abschließen, Status melden. Das regeln die Checkout-Schnittstellen von ACP und UCP.
  3. Identität und Vertrauen: Wer ist der Agent, handelt er wirklich im Auftrag des Kunden, und bekommt der Kunde seine Mitgliedspreise? Dafür gibt es Identity Linking per OAuth 2.0, Visas Trusted Agent Protocol und Mastercards Agent Pay.
  4. Zahlung und Mandat: Wie zahlt ein Agent, ohne Kartendaten zu sehen, und wie beweist er, dass der Kunde zugestimmt hat? Hier arbeiten Stripes Shared Payment Tokens und Googles Agent Payments Protocol AP2.

Quer dazu liegt die Transportebene. Beide Commerce-Protokolle lassen sich über klassische REST-Schnittstellen ansprechen und inzwischen auch über das Model Context Protocol (MCP), über das KI-Assistenten Werkzeuge aufrufen. UCP unterstützt zusätzlich Googles Agent2Agent-Protokoll (A2A).

ACP: vom Instant Checkout zum Baukasten

Das Agentic Commerce Protocol haben OpenAI und Stripe am 29. September 2025 vorgestellt, zusammen mit dem Kauf direkt in ChatGPT. Es steht unter der Apache-2.0-Lizenz, trägt offiziell noch das Label „beta“ und wird von OpenAI und Stripe als Founding Maintainers verwaltet. Stripe nennt in seiner Dokumentation inzwischen auch Meta als Mitentwickler.

Wie schnell sich ACP bewegt, zeigt die Versionsliste. Fünf Fassungen in sieben Monaten:

  • 2025-09-29: erste Version mit Checkout und delegierter Zahlung
  • 2025-12-12: Erweiterungen beim Fulfillment
  • 2026-01-16: Capability Negotiation, also das Aushandeln, was Agent und Shop jeweils können
  • 2026-01-30: Extensions, Rabatte und Payment Handler
  • 2026-04-17: Warenkorb, Feed, Bestellungen, Authentifizierung und MCP-Anbindung

Die aktuelle Version besteht aus fünf Bausteinen: dem agentischen Checkout (anlegen, aktualisieren, abschließen), Warenkorb und Feed, der delegierten Zahlung über Payment-Tokens, der delegierten Authentifizierung per OAuth 2.0 und Bestell-Updates per Webhook.

Bemerkenswert ist die Reihenfolge. ACP startete beim Checkout. Im März 2026 hat OpenAI den Kauf direkt im Chat zurückgefahren, Händler nutzen seitdem wieder ihren eigenen Checkout, und ChatGPT konzentriert sich auf das Finden von Produkten. Einen Monat später kam der Feed als eigene Schnittstelle in die Spezifikation. Das Protokoll ist also vom Bezahlen zum Katalog gewandert, nicht umgekehrt.

UCP: Googles Protokoll für den ganzen Einkauf

Das Universal Commerce Protocol hat Google am 11. Januar 2026 vorgestellt, entwickelt mit Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart. Inzwischen führt die Projektseite auch Amazon, Microsoft, Meta, Salesforce und Stripe als Mitentwickler, dazu Visa, Mastercard, Adyen und PayPal als Unterstützer. Auch UCP steht unter Apache 2.0.

UCP ist breiter angelegt als ACP und in Capabilities gegliedert, die ein Händler einzeln aktivieren kann:

  • Catalog: Suche, Browsing und Abruf von Produkten mit Varianten, Preisen und Beständen in Echtzeit
  • Cart: Warenkörbe mit mehreren Artikeln, übergeben an den Shop oder direkt abgeschlossen
  • Checkout: Sessions mit Preisen, Steuern und Versand
  • Identity Linking: Verknüpfung des Kundenkontos per OAuth 2.0, damit Mitgliedspreise und Treuevorteile auch im Agenten gelten
  • Order: Status, Sendungsverfolgung und Retouren nach dem Kauf

Cart, Catalog und Identity Linking kamen mit dem Update vom 19. März 2026 hinzu, zusammen mit einem vereinfachten Onboarding über das Google Merchant Center. Das bislang größte Release erschien am 25. August 2026. Es bringt Unterstützung für weitere Branchen wie Lebensmittel, Standortsuche mit Öffnungszeiten, 3DS2-Authentifizierung, Ratenzahlung und geteilte Zahlungen, eine Loyalty-Erweiterung und einige Änderungen, die bestehende Integrationen anpassen müssen. Im September folgte ein Payments Technical Council mit acht Mitgliedern, darunter Google, Shopify und Stripe.

Am 15. Oktober 2026 hat Google darauf aufbauend den Universal Cart in den USA gestartet: einen Warenkorb in der Google-Suche und in der Gemini-App, der Produkte mehrerer Händler sammelt, Preissenkungen verfolgt und auf einem Shopping Graph mit mehr als 60 Milliarden Produktangeboten aufsetzt. Bezahlt wird per UCP und Google Pay, oder der Kunde übergibt die Artikel in den Warenkorb des Händlers. Der Händler bleibt in beiden Fällen Verkäufer.

Stripe: die Schaltzentrale zwischen den Lagern

Stripe ist der einzige große Akteur, der in beiden Lagern sitzt. Das Unternehmen hat ACP mitgegründet, ist Mitentwickler von UCP und hat sich damit eine Rolle gesichert, die für Händler praktischer ist als jede Protokollentscheidung: eine Integration, die mehrere Agenten bedient.

Die Bausteine im Überblick:

  • Agentic Commerce Suite (seit Dezember 2025): Händler binden sich einmal an und werden für mehrere KI-Plattformen verkäuflich. Zum Start nannte Stripe Marken wie Coach, Kate Spade und URBN sowie Shop-Plattformen wie Wix, Squarespace, WooCommerce, commercetools und BigCommerce.
  • Shared Payment Tokens (SPT): Zahlungsberechtigungen mit begrenztem Geltungsbereich. Der Agent reicht einen Token weiter, der Händler belastet ihn, die eigentlichen Kartendaten sieht keiner der beiden. Seit April 2026 tragen diese Tokens Angaben zum Agenten und Nutzungsgrenzen. Seit März 2026 funktionieren sie auch mit den Agenten-Tokens von Visa und Mastercard.
  • Stripe Sessions 2026 (29. April): Katalog-Upload und Steuerung des Agentenzugriffs direkt im Stripe-Dashboard, eine Partnerschaft mit Google für Käufe im AI Mode und in der Gemini-App über UCP, Checkout in Facebook-Anzeigen mit Meta und die Link Agent Wallet, mit der Agenten im Rahmen freigegebener Ausgaben bezahlen.
  • Machine Payments Protocol (MPP): gemeinsam mit Tempo entwickelt, für Kleinst- und wiederkehrende Zahlungen zwischen Maschinen, etwa für API-Aufrufe.

Für Händler neutralisiert Stripe damit einen Teil der Protokollfrage. Interessant ist, womit die Integration beginnt: mit einem strukturierten Katalog-Feed aus Produkt- und Bestandsdaten.

Zahlung und Vertrauen: AP2, Visa und Mastercard

Die vierte Schicht beantwortet die heikelste Frage: Woran erkennt ein Händler, dass ein Agent wirklich im Auftrag eines Kunden handelt?

Googles Agent Payments Protocol (AP2) setzt dafür auf signierte Mandate, also digital unterschriebene Nachweise, was der Kunde dem Agenten erlaubt hat. Vorgestellt wurde es im September 2025 mit mehr als 60 Organisationen. Im April 2026 hat Google AP2 an die FIDO Alliance übergeben, die auch die Passkey-Standards verantwortet. Version 0.2 erlaubt Zahlungen ohne anwesenden Kunden, solange der Agent innerhalb vorher freigegebener Grenzen bleibt. UCP bindet AP2-Mandate als Erweiterung ein.

Die Kartennetzwerke bauen parallel ihre eigene Vertrauensschicht. Visas Trusted Agent Protocol, im Oktober 2025 mit Cloudflare veröffentlicht, lässt Händler Agenten anhand kryptografischer Signaturen erkennen. Seit dem 20. Oktober 2026 läuft damit ein erster Live-Pilot im B2B-Bereich, bei dem ein Agent freigegebene Lieferantenrechnungen bezahlt. Mastercard verfolgt mit Agent Pay denselben Ansatz und hat im Oktober 2026 eine Variante für Zahlungen zwischen Maschinen in den Early Access gegeben.

Was heute live ist und was in Deutschland ankommt

Nüchtern betrachtet ist die Lage im November 2026 so:

  • ACP ist als Spezifikation stabil genug für Integrationen, aber offiziell noch beta. In ChatGPT dient es vor allem dem Finden von Produkten, der Kauf läuft meist im Shop des Händlers.
  • UCP treibt Googles Shopping-Erlebnisse im AI Mode und in Gemini. Der Universal Cart ist bislang nur in den USA verfügbar, der Checkout per UCP startet ebenfalls dort.
  • AP2 liegt jetzt bei einem neutralen Standardisierungsgremium, die Kartennetzwerke testen ihre Vertrauensverfahren in Piloten.
  • Stripe bietet die Bausteine an, Verfügbarkeit und unterstützte Länder unterscheiden sich laut Dokumentation je nach Integration.

Für Händler und Hersteller in Deutschland, Österreich und der Schweiz heißt das: Die Checkout-, Vertrauens- und Zahlungsschichten sind noch in Bewegung und kommen mit Verzögerung. Die Katalogschicht dagegen wird schon heute gelesen, von ChatGPT, von Google und von jedem Agenten, der Produkte vergleicht.

Warum alle Protokolle nach unten wachsen

Legt man die Änderungsprotokolle nebeneinander, zeigt sich ein Muster. ACP hat im April den Feed als eigene Schnittstelle aufgenommen. UCP hat im März die Catalog-Capability ergänzt und im August nachgelegt: strukturierte Snapshots von Rückgabe-, Erstattungs- und Garantiebedingungen, reichere Medientypen bis hin zu Video und 3D-Modellen, Mengenangaben in Gewicht und Maß, Abholstandorte mit Öffnungszeiten. Stripe hat den Katalog-Upload ins Dashboard geholt.

Die Protokolle sind beim Bezahlen gestartet und beim Produkt angekommen. Der Grund ist einfach: Ein Agent, der sauber bezahlen kann, aber das Produkt nicht versteht, verkauft nichts.

Was die Spezifikationen heute von Ihren Produktdaten verlangen

Liest man die aktuellen Fassungen von ACP und UCP als Anforderungsliste, steht dort im Kern ein Datenmodell:

  • Varianten mit eindeutigen Kennungen: Größe, Farbe und Ausführung als eigene, auswählbare Artikel
  • Preise und Bestände in Echtzeit: Agenten fragen nach, kurz bevor sie empfehlen oder kaufen
  • Bedingungen als Daten: Rückgabe, Erstattung und Garantie strukturiert statt als Fließtext im Footer
  • Medien mit Typ: Bilder, Videos und 3D-Modelle, sauber zugeordnet
  • Einheiten und Maße: gewichtsbasierte Artikel, Verpackungseinheiten, Grundpreise
  • Verfügbarkeit nach Ort: Versand oder Abholung, Filiale, Öffnungszeiten
  • Mitgliedspreise und Treuevorteile: damit Identity Linking etwas zu übertragen hat

Jeder dieser Punkte ist ein Attribut, ein Wertebereich oder eine Beziehung in einem Produktdatenmodell. Kein Protokoll erzeugt diese Daten. Alle setzen sie voraus.

Wo ainavio ansetzt

Genau diese Schicht ist der Arbeitsbereich von ainavio, dem PIM mit AI. Das Data Onboarding liest Lieferantendaten aus Excel, PDF und ERP-Exporten ein und bringt sie in eine einheitliche Struktur. AI Agents ergänzen fehlende Attribute, vereinheitlichen Werte und Einheiten, übersetzen und prüfen die Qualität, bevor ein Datensatz einen Kanal erreicht. Die kanalgerechte Ausspielung liefert die Daten an Shops, Marktplätze und Feeds. Und über den MCP-Server können KI-Assistenten direkt mit den gepflegten Produktdaten arbeiten.

Wie hoch der Druck aus der Nachfrage schon ist, haben wir in „Jede fünfte ChatGPT-Anfrage ist eine Kaufanfrage“ beschrieben. Die Protokolle sind die Antwort der Plattformen darauf. Die Antwort der Händler muss ein Katalog sein, den Maschinen ohne Rückfrage lesen können.

Björn Thomsen

Head of Marketing, ainavio

Björn Thomsen ist Head of Marketing bei ainavio, dem agentischen PIM/DAM-System. Sein Schwerpunkt ist Marketing Operations & Engineering: Daten, Automatisierung und die Systeme hinter dem Marketing, zunehmend gesteuert von AI Agents. Er bringt tiefe Erfahrung aus B2B-SaaS, Cloud und Data Center sowie aus der Startup-Szene in Tokio mit. Bei ainavio beschäftigt ihn vor allem, wie Produktdaten im E-Commerce für Menschen und Maschinen funktionieren, vom Onlineshop bis zur AI-Suche.

contact@ainavio.com
+49 (0) 2842 - 929987-3

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